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Mein Freijahr

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abschied von mitsu

mitsu ist nicht mehr.  ja, sie war schon nicht mehr die jüngste, hat ein paar kleine schwächen gezeigt. ich wusste auch, dass ich mich spätestens kommendes schuljahr von ihr trennen würde, doch nun war es ganz schnell gegangen.  innerhalb von sekunden, um genau zu sein.

seit 16. juli 1998 war sie mein auto. es hat eine zeit gedauert, bis ich wir uns aneinander gewöhnt hatten. innerhalb der garantiezeit gab es auch ein paar reperaturen, die in den vielen jahren danach nie wieder nötig waren. sie war zuverlässig, immer für mich da, auch für alle anderen mitglieder der familie, die einen führerschein besitzen, sie hatte eben eine echte japanische mitarbeiterloyalität.  ich  muss gestehen, dass wir sie alle in irgend einer form verletzt haben. natürlich nie mit absicht, aber passiert ist es trotzdem, wenn es uns auch jedesmal leid getan hat.  sie war nie nachtragend, hat nach den kurzen reperatur-auszeiten, die sie sich dann gegönnt hat, wieder loyal ihre pflicht getan.

die liebe mitsu neben ihrem freund audi

mitsu kam in mein leben , als mein damals schon sehr altes auto einen unfall mit einem reh, das ganz plötzlich in es hineingesprungen war, nicht überlebt hatte. würde jemand ein buch über mitsu schreiben, gäbe es da eine rahmenhandlung , in der mitsu nun ihrerseits durch einen unfall aus meinem leben wieder geht. und schuld daran bin dieses mal nur ich, dieses mal wäre der unfall vermeidbar gewesen. für mein fahrkönnen war ich einfach zu schnell auf matschfahrbahn unterwegs. ich habe so aus eigener erfahrung gelernt, dass ein schleudern auch auf der geraden straße möglich ist und dass nur ein sofortiges, richtig dosiertes gegenlenken helfen kann. und das ist mir nicht gelungen. doch es ist gelungen,  durch eine allee eine baumfreie schleuderpassage in einen acker zu finden – und dafür bin ich überaus dankbar, denn:  MIR ist das nicht gelungen, das ist mir klar. ich weiss, dass hilfe überall und immer auf uns wartet.  unmittelbar nach dem unfall waren auch schon zwei männer da, die johannes und mir geholfen haben aus dem auto zu klettern und mitsu  wieder auf die räder zu stellen.  einer von ihnen hat uns dann auch noch gleich nach hause gebracht. .. unglaublich, wie schnell und „sicher“ es für johannes und mich abgelaufen ist.  auf unserer schleuderfahrt in richtung acker taten uns insassen der leitpflock und die schneestange, die wir berührten, nicht weh, mitsu allerdings schon. auch im überschlagen und auf-der-seit- zu-liegen-kommen hat mitsu ihre schutzfunktion zu hundert prozent übernommen. selbst im vorgang des überschlagens habe ich mich gehalten gefühlt. mitsus sicherheitsgurte haben optimal funktioniert.

so hat mitsu am 28. jänner 2010 für uns  ihr leben gelassen. am parklatz in meinem herzen ist ihr ein platz für dauerparker reserviert. ihre sterblichen überreste lagern derzeit am bauhof niederhollabrunn, von wo aus sie einer weiterverwertung zugeführt werden. mögen ihre guten eigenschaften im recycling auf die neuen dinge übergehen, die von ihr einen anteil abbekommen werden…

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