mysabbatical

Mein Freijahr

Archiv für bildung

bildungslücken

„bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles in der schule gelernte vergessen hat.“

heute, 2. november 2009,  lese ich im kurier unter der schlagzeile „haarsträubende bildungslücken“  über anwärterInnen auf eine friseurInnenlehre und ihr  mangelndes fachwissen in mathematik, geographie und politische bildung.  ein ausgefüllter fragebogen ist zu bewundern – und mich wundert es nicht, dass da „Häupl“ steht wo nach dem derzeitigen österreichischen bundespräsidenten gefragt wird.

das wiener kind, das diesen namen hingeschrieben hat, hat keinen begriff von und insbesondere kein interesse an politischer bildung.  es schaltet „auf durchzug“,  sobald geschichtliche oder politische themen in der schule besprochen werden.  noch so viele gut gemeinte materielien, diskussionen, exkursionen … erreichen das lehrziel nicht, wenn kein eigenes, intrinsisches interesse bei den kindern da ist, an das angeknüpft werden kann.

mit 16 darf es zum ersten mal wählen.  und wenn  dieses kind wählen geht, dann traue ich mich  eine wette darüber abzuschließen, welche partei das kreuzerl bekommen wird. für einfache leute braucht es  einfache informationen.  propaganda in comic-form kommt da gut an…

in der schule kann keine lehrerin und  kein lehrer die fehlende motivation und das fehlende interesse durch äußere motivationsmaßnahmen kompensieren.  ich erinnere mich an einen schüler, der beim austeilen eines unterrichtsmaterials fragte: „ist das ein lernspiel?“ und dabei so begeistert klang und dreinschaute wie ich es tue, wenn ich eine offene rolle quargel im kühlschrank entdecke und meinen mann nach der käsesorte frage.

diesen mangel an interesse, gepaart mit nicht allzu guter begabung und einem nicht allzu guten gedächtnis dürfte es schon immer gegeben haben. die antworten auf die frage des mikromannes im radio anlässlich des heurigen nationalfeiertages, nämlich „ist österreich eine demokratie oder eine republik?“ sprechen bände.

und nächstes jahr werde ich wieder tun was ich kann, werde staatskundliche begriffe so weit wie möglich vereinfachen, werde „mindeststandards“ für verschiedene notengrade festlegen, werde schülerInnen  in den verschiedensten methoden unterrrichten, mich geradezu zerfransen, denn ich bin nach einem freijahr wieder top in form – und nach kurzer zeit wird  (vorausgesetzt die informationen waren tatsächlich kurze zeit aus dem gedächtnis abrufbar) schon vergessen… und einige schülerInnen werden  den grad oben genannter „bildung“ rasant schnell erreichen.  such is life. punkt.

Advertisements